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Licht steuern: Matter, Casambi, DALI, KNX, Shelly – welches System wofür?

  • 17. Juni
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Juli

Wer heute eine Beleuchtung plant, stolpert über eine Handvoll Namen: Matter, Casambi, DALI, KNX, Shelly, EnOcean. Die meisten klingen technisch und austauschbar, als müsste man sich für eines entscheiden und gegen die anderen. Das ist der häufigste Irrtum, und er führt in der Planung zu teuren Fehlern. Diese Systeme sind keine Konkurrenten, die dasselbe können, sondern sie arbeiten auf ganz verschiedenen Ebenen.

Einen wirklich umfassenden Überblick, der das einmal sauber sortiert, findet man im Netz kaum. Genau den liefert dieser Artikel – in einfacher Sprache, mit Bildern aus dem Alltag, von der ganz normalen Schaltung bis zum vernetzten Gebäude.


Die normale Schaltung – und warum LED so oft flackert

Am Anfang steht die klassische Lösung, die es natürlich weiterhin gibt: der Schalter an der Wand, fest verdrahtet mit der Leuchte. Strom an, Strom aus. Für sehr viele Räume ist das völlig ausreichend, und es ist die günstigste, robusteste Variante überhaupt.

Sobald gedimmt werden soll, wird es interessant. Eine normale Leuchte lässt sich nicht einfach „leiser drehen“ wie ein Wasserhahn – sie wird über ein Verfahren gedimmt, das sich Phasenanschnitt oder Phasenabschnitt nennt. Vereinfacht gesagt schneidet der Dimmer aus dem Stromfluss winzige Stücke heraus, viele Male pro Sekunde, und je mehr er herausschneidet, desto dunkler wird das Licht.

Hier liegt die häufigste Ärgerquelle im Wohnbereich: Es gibt zwei Sorten von Dimmern, und sie sind nicht beliebig austauschbar. Der Phasenanschnitt-Dimmer ist für konventionelle Technik gemacht, der Phasenabschnitt-Dimmer für moderne LED und elektronische Trafos. Wird der falsche Dimmer mit der falschen Leuchte kombiniert, fängt die LED an zu flackern, zu brummen oder lässt sich nur über einen Teil des Bereichs dimmen. Wer schon einmal eine teure LED-Lampe gekauft hat, die am vorhandenen Dimmer zuckte, kennt das Problem – und meist liegt es nicht an der Lampe, sondern an dieser Paarung.

Für die normale Schaltung gilt deshalb: Sie funktioniert zuverlässig, solange Dimmer und Leuchtmittel zueinander passen. Die Auswahl des richtigen Dimmers ist dabei kein Detail, sondern entscheidet darüber, ob das Licht später ruhig oder nervös wirkt.


Quellen: Fachgrundlagen Phasenan-/abschnittdimmen; herstellerunabhängige Dimmer-Kompatibilitätshinweise.


Shelly – der kleine Helfer hinter dem Schalter

Viele Elektriker greifen heute zu Shelly, wenn ein vorhandenes Licht ohne großen Aufwand schaltbar oder per App steuerbar werden soll. Shelly ist ein kleines Funkmodul, ein sogenanntes WLAN-Relais, das unsichtbar in die Unterputzdose hinter den bestehenden Schalter gesetzt wird.

Das Schöne daran: Schalter, Rahmen und Verkabelung bleiben, wie sie sind. Nichts muss aufgestemmt werden. Das Modul verbindet sich direkt mit dem heimischen WLAN-Router, ganz ohne zusätzliche Zentrale, und ab da lässt sich die Leuchte sowohl über den gewohnten Wandschalter als auch über die Shelly-App, per Zeitplan oder per Sprachbefehl steuern. Eingebaut ist so ein Modul in unter zehn Minuten.

Das macht Shelly zur günstigsten Einstiegsmöglichkeit, um einzelne Leuchten oder Steckdosen nachträglich smart zu machen. Ein praktischer Hinweis: In manchen Altbauten fehlt in der Schalterdose der sogenannte Neutralleiter, der für die meisten Module gebraucht wird – dafür gibt es spezielle Shelly-Varianten, die auch ohne ihn auskommen. Und weil an 230 Volt gearbeitet wird, gehört der Einbau in die Hand einer Elektrofachkraft.

Shelly ist ideal, wenn es um einzelne Stellen geht. Für eine durchgängig geplante Lichtsteuerung über viele Räume hinweg sind die folgenden Systeme gedacht.


Quellen: Shelly Europe (shelly.com); homeandsmart.de; netzwelt.de, 2025; beleuchtung-mit-led.de, 2026.


Batterieloser Funk – EnOcean, eltako und die Funkschalter von JUNG

Eine eigene, sehr elegante Schiene ist der batterielose Funk. Das Prinzip klingt fast nach Zauberei: Der Schalter braucht weder Kabel noch Batterie. Der Druck auf die Taste erzeugt selbst genug Energie, um den Funkbefehl zu senden. Diese Technik heißt EnOcean und ist ein internationaler Standard.

Der Vorteil im Alltag: So ein Funkschalter lässt sich überall anbringen, wo man ihn braucht – an die Wand geschraubt oder einfach mit einem Klebepad auf Stein, Holz, Glas oder ein Möbel geklebt. Kein Stemmen, kein Kabelkanal, keine Batterie, die irgendwann leer ist. Im Gegenzug sitzt der eigentliche Schaltteil, der sogenannte Aktor, in der Dose bei der Leuchte oder im Verteiler und empfängt die Funkbefehle.

Hier kommen zwei Namen zusammen, nach denen oft gefragt wird. eltako ist einer der bekanntesten Hersteller dieser batterielosen Funktechnik und gewissermaßen ihr Klassiker im deutschen Markt. JUNG wiederum bietet passende Funk-Wandsender in seinen Designserien an. Und weil beide auf demselben EnOcean-Standard aufbauen, arbeiten sie zusammen: Der schöne JUNG-Schalter an der Wand sendet, der eltako-Aktor in der Dose schaltet. Hersteller lassen sich auf diese Weise mischen.

Zu unterscheiden davon ist die Funk-Variante des großen Gebäudestandards KNX, genannt KNX RF, die JUNG ebenfalls anbietet. Sie richtet sich an alle, die später ein vollwertiges KNX-Gebäude wünschen, aber keine Bus-Leitung verlegen wollen. Für den normalen Wohnbereich ist der einfache EnOcean-Funk meist die naheliegendere Wahl.


Quellen: eltako Gesamtkatalog (eltako.com); JUNG – EnOcean-Funk-Wandsender & KNX RF (jung-group.com); Hager/Berker EnOcean; ledclusive.de.


Casambi – Licht steuern per Funk, jederzeit selbst änderbar

Casambi ist eine Technik aus Finnland, die ein praktisches Problem löst: Wie steuere ich Licht flexibel und genau, ohne überall neue Leitungen ziehen zu müssen? Die Antwort ist Bluetooth – dieselbe Funktechnik, mit der sich Ihr Handy mit dem Kopfhörer verbindet.

Bei Casambi wird jede Lampe, jeder Schalter, jeder Sensor zu einem kleinen Funkpunkt, und diese Punkte reden direkt miteinander, wie in einer Gruppe, in der jeder jeden hört. Es gibt keinen zentralen Kasten, der alles steuert: Fällt ein Gerät aus, finden die anderen automatisch einen neuen Weg. Weil das so zuverlässig und unkompliziert ist, nutzt heute fast jeder bekannte Leuchtenhersteller diese Technik – das Funkmodul steckt oft schon in der Lampe.

Der vielleicht wichtigste Vorteil im Alltag liegt in der Bedienung: Sie können das System jederzeit selbst umprogrammieren, ohne jemanden rufen zu müssen. Dafür gibt es eine kostenlose App, mit der sich jedes Casambi-System sofort einrichten und jederzeit ändern lässt. Möchten Sie morgen vom Wohnzimmer aus das Licht im Keller schalten, weisen Sie das in der App in wenigen Sekunden zu – ganz ohne Kabel, ohne Techniker, von der Couch aus. Schalter wie die von JUNG lassen sich zusätzlich einbinden, beliebig viele, an jeder beliebigen Stelle. Sie sind aber kein Muss, weil sich ohnehin alles über die App steuern lässt.

Ein Punkt, der oft falsch erzählt wird: dass so ein System „unbegrenzt“ sei. Pro Funknetz lassen sich rund 250 Geräte verbinden – das reicht für eine Wohnung, ein Restaurant oder eine Galerie locker aus. Für sehr große Gebäude koppelt man einfach mehrere Netze. Der große Vorteil bleibt: keine zusätzliche Steuerleitung nötig, weshalb Casambi die erste Wahl ist, wenn in einem bestehenden Gebäude nachgerüstet wird.


Quellen: Casambi.com; iahome.be, 2026; MLP Light.


DALI – das verkabelte Profisystem für hohe Ansprüche

DALI ist der Klassiker für anspruchsvolle Projekte und in einem Punkt das Gegenteil von Casambi: Es läuft über ein Kabel, und es ist ein offener Standard, an den sich alle Hersteller halten. Eine Leuchte von Hersteller A funktioniert also zuverlässig mit der Steuerung von Hersteller B.

Das Bild dazu: Bei DALI bekommt jede einzelne Leuchte ihre eigene Adresse, ähnlich einer Hausnummer. Dadurch lässt sich jede Leuchte einzeln ansprechen, dimmen, zu Gruppen zusammenfassen und in Lichtszenen speichern. Und die Leuchten antworten zurück, melden also, ob sie an sind oder ob etwas defekt ist. Diese Genauigkeit ist der Grund, warum sich mit DALI auch Lichtfarben fein steuern lassen, etwa von warmem Abendlicht bis zu kühlem Tageslicht, passend zum natürlichen Tagesverlauf.

Der Preis für diese Präzision ist Aufwand: DALI braucht eine zusätzliche Steuerleitung, die mitverlegt werden muss. In einem bestehenden Haus ohne diese Leitung wird das schnell teuer, weshalb DALI vor allem dann sinnvoll ist, wenn von Anfang an damit geplant wird – etwa in Büros, Museen oder größeren Neubauten.

Ein Unterschied, den man im Alltag schnell merkt: Bei DALI braucht fast jede Änderung an der Lichtanlage einen Elektriker oder Programmierer, der das System anpasst. Selbst wenn nur eine defekte Leuchte gegen eine neue getauscht wird, muss diese erst wieder eingelernt werden, bevor sie funktioniert. Bei Casambi ist das im Prinzip ähnlich – mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese Anpassung dort jeder selbst über die App erledigen kann und nicht auf einen Fachmann angewiesen ist.


Quellen: DiiA / Wikipedia; LichtRechner.de, 2026; Theben; WAGO.


KNX – wenn nicht nur das Licht gesteuert wird

Wer noch einen Schritt weiter denkt, landet bei KNX. Der Unterschied ist einfach: DALI kümmert sich nur um das Licht, KNX um das ganze Gebäude. Über ein gemeinsames System lassen sich Beleuchtung, Heizung, Klima, Jalousien und Sicherheitstechnik zusammen steuern.

In der Praxis arbeiten beide oft Hand in Hand: KNX übernimmt das große Ganze, DALI steuert darunter das Licht im Detail. Für eine reine Lichtsteuerung ist DALI meist einfacher und günstiger; sobald das gesamte Haus vernetzt werden soll, ist KNX die richtige Ebene. KNX ist der weltweit verbreitetste Standard für Gebäudeautomation und gilt als besonders zukunftssicher, weil unzählige Hersteller ihn unterstützen.


Quellen: KNX Association; watt24.com; LichtRechner.de, 2026.


JUNG HOME – smart werden über vertraute Technik

JUNG hat neben der Casambi-Lösung noch ein eigenes, neueres System: JUNG HOME. Es richtet sich an alle, die ihr Zuhause schrittweise smart machen wollen, ohne große Umbauten.

Der Trick: JUNG HOME nutzt die ganz normale Stromverkabelung, die ohnehin in jeder Wohnung liegt. Es braucht keine besonderen Leitungen und keinen Technikschrank. Die komplette Funktechnik steckt in den schlauen Schalterabdeckungen, die wie klassische Einsätze in die vorhandenen Schalterdosen eingesetzt werden. Gesteuert wird per App, per Schalter oder per Sprache, vernetzt werden Licht, Beschattung, Temperatur und Stromverbrauch. Auch hier läuft die Verbindung über Funk und funktioniert ohne Internet.

Ein Detail, das oft durcheinandergeht: JUNG HOME arbeitet über eine eigene Funktechnik (Bluetooth Mesh), nicht direkt über Matter. Wer es mit einem Matter-System verbinden möchte, braucht dafür ein kleines Zwischengerät, eine sogenannte Bridge. Für den Alltag ist das selten ein Problem, aber es zeigt wieder, dass die Begriffe nicht beliebig austauschbar sind.


Quellen: JUNG (jung-group.com); elektro.net; zuhause3.de.


Matter – die gemeinsame Sprache über allem

Matter wird derzeit am meisten genannt und am häufigsten falsch verstanden. Matter ist keine Lichtsteuerung, sondern eher eine gemeinsame Sprache, damit Geräte verschiedener Marken sich überhaupt verstehen.

Stellen Sie sich vor, jeder Hersteller spricht bisher seinen eigenen Dialekt: Die Lampe von Marke A versteht die App von Marke B nicht, der Schalter von Marke C passt zu keinem von beiden. Matter ist die Übersetzung, auf die sich alle geeinigt haben. Eine Lampe mit Matter-Logo lässt sich über Apple, Google, Amazon oder Samsung steuern, egal von welcher Firma sie stammt. Dahinter steht ein Zusammenschluss großer Technikfirmen – Amazon, Apple, Google, Samsung und viele weitere, inzwischen über 700 Unternehmen.

Wichtig für das Verständnis: Matter ist die oberste Ebene, das Dach, unter dem die anderen Systeme zusammenarbeiten. Es ersetzt keine durchdachte Lichtsteuerung, sondern bindet sie ein.


Quellen: Connectivity Standards Alliance (csa-iot.org); Consumer Reports, 2022; Matter Alpha, 2026.


Was brauche ich denn nun? Die Ebenen statt des Entweder-oder


Der größte Denkfehler ist, all diese Systeme als konkurrierende Produkte im selben Regal zu sehen. Tatsächlich liegen sie auf verschiedenen Ebenen, und genau das ist der Schlüssel:


Die normale Schaltung ist die Basis – Schalter an, Schalter aus, beim Dimmen kommt es auf den passenden Dimmer an.


Shelly macht einzelne, vorhandene Leuchten per WLAN steuerbar – die günstigste Nachrüstung hinter dem bestehenden Schalter.


EnOcean-Funk (eltako, JUNG) schaltet batterielos und kabellos per Funk – ideal, wo nichts gestemmt werden soll.


Casambi steuert Licht per Bluetooth, genau und jederzeit selbst änderbar – die erste Wahl im Bestand.


DALI ist das verkabelte Profisystem fürs Licht – sehr genau, am besten von Anfang an mitgeplant.


KNX steuert das ganze Gebäude – Licht, Heizung, Klima, Jalousien zusammen.


JUNG HOME macht das Zuhause über die vorhandene Verkabelung schrittweise smart.


Matter ist das gemeinsame Dach, damit Geräte verschiedener Marken sich verstehen.


Welches System das richtige ist, hängt nicht von der neuesten Mode ab, sondern von der Aufgabe: Neubau oder bestehendes Haus, nur Licht oder das ganze Gebäude, wie viel Budget, wie viel Genauigkeit, und wie oft man später selbst etwas ändern möchte. Die wichtigste Entscheidung fällt deshalb nicht bei der Auswahl der Lampe, sondern bei der Frage, auf welcher Ebene gesteuert werden soll – und sie fällt am besten ganz am Anfang.


Wenn Sie weitere Beratung benötigen, sind wir gerne Ihr Ansprechpartner.

Werbung ohne Gegenleistung: Dieser Artikel nennt Produkte und Hersteller (Shelly, eltako, JUNG, Casambi, Matter, DALI, KNX) zur Einordnung. Es bestehen keine bezahlten Kooperationen.

Bild: KI generiert

 
 
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