Was ist melanopische Wirkung? – Licht-ABC
Melanopische Wirkung bezeichnet den nicht-visuellen Einfluss von Licht auf den menschlichen Körper: Über spezielle lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut, die ipRGC, stellt Licht die innere Uhr, steuert die Ausschüttung von Melatonin und Cortisol und beeinflusst damit Wachheit, Schlaf und Stimmung. Die DIN SPEC 5031-100 beschreibt diese Wirkung und führt mit der melanopischen Bestrahlungsstärke eine eigene Messgröße dafür ein – denn die klassische Beleuchtungsstärke in Lux bewertet nur das Sehen, nicht die biologische Wirkung.
Warum Lux die falsche Einheit ist
Die biologisch wirksamen Rezeptoren reagieren am stärksten auf den blauen Spektralanteil um 480 Nanometer – Tageslicht liefert ihn reichlich, warmweiße LED kaum. Zwei Leuchten mit identischen 500 Lux auf dem Tisch können sich in ihrer melanopischen Wirkung um das Mehrfache unterscheiden. Dazu kommt die Richtung: Die Rezeptoren sitzen im unteren Teil der Netzhaut und reagieren auf Licht von oben und vorne – also auf helle Decken und Wände, nicht auf den beleuchteten Schreibtisch. Ein Raum kann normgerecht hell und biologisch trotzdem eine Dauerdämmerung sein.
Was das für Ihr Projekt bedeutet
Wo Menschen viele Stunden unter Kunstlicht verbringen – Büros, Praxen, Pflegeeinrichtungen, Salons – planen wir Licht in zwei Ebenen: die visuelle für die Sehaufgabe und die biologische für den Tagesrhythmus. Konkret heißt das helle vertikale Flächen, ausreichend kühles Licht am Vormittag und eine Steuerung, die zum Abend hin wärmer und dunkler wird. Im Wohnhaus gilt das Prinzip umgekehrt: Am Abend soll das Licht den Körper zur Ruhe kommen lassen, nicht wachhalten.
Zur Vertiefung: Lichtplanung im Büro: Warum Licht über Gesundheit und Leistung entscheidet · Friseursalon-Lichtplanung
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