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Zirkularität in der Beleuchtung – warum die Leuchte von morgen reparierbar sein muss

5. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Sept.

Eine Leuchte hält 15 Jahre. Das LED-Modul darin vielleicht 10. Der Treiber vielleicht 8. Und wenn eines davon ausfällt?


In vielen Fällen wandert die gesamte Leuchte in den Müll.


Nicht weil sie kaputt ist. Sondern weil sie so gebaut wurde, dass man sie nicht reparieren kann.


Das ist kein Randproblem. Es ist das zentrale Nachhaltigkeitsproblem der Beleuchtungsbranche — und es wird gerade durch EU-Recht, neue Produktstandards und eine wachsende Fachgemeinschaft grundlegend in Frage gestellt.


Das Problem: Die verklebte Generation

Zwischen etwa 2008 und 2015 erlebte die LED-Technologie ihren ersten Massenmarkt-Durchbruch. Was folgte, war ein Wettlauf der Hersteller — insbesondere im Billigsegment, aber auch bei großen Marken — der zu einer Generation von Leuchten führte, die technisch modern, aber strukturell nicht nachhaltig war.


Das Muster war immer dasselbe: LED-Chips wurden direkt auf Platinen gelötet, Platinen wurden mit Gehäusen verklebt, Treibereinheiten wurden so verbaut, dass man ohne Zerstörung der Leuchte nicht mehr an sie herankam. Das Argument war Kosteneinsparung und vereinfachte Produktion. Das Ergebnis war eine Wegwerfkultur, verkleidet als Hightech.


Leuchten aus dieser Phase sind problematisch, weil man kaum an die Bauteile herankommt. Hinzu kommt häufig eine geringe Lichtqualität. Leuchten aus der Zeit vor der LED-Technik — also klassische Systeme mit Leuchtstoffröhren oder Halogen — lassen sich dagegen oft deutlich besser ausrüsten, weil sie standardisierte Fassungen und austauschbare Komponenten haben.


Das ist keine Nostalgie. Es ist eine technische Tatsache: Ein Eins-zu-eins-Ersatz von Leuchtstoffröhren durch LED-Röhren ist heute gut möglich. Ein Halogen-Spot mit GU10-Fassung lässt sich problemlos auf LED umrüsten. Was nicht geht: das verklebte LED-Panel aus dem Jahr 2012.


Was die EU bereits regelt — und wohin die Reise geht

Die EU hat das Problem erkannt. Mit der Ökodesign-Verordnung (EU) 2019/2020, die seit September 2021 in Kraft ist, wurden erstmals nicht nur Energieeffizienz-Anforderungen gestellt, sondern auch Anforderungen an die Reparierbarkeit von Leuchten.


Künftig muss die Lichtquelle einer Leuchte austauschbar sein. Allerdings bedeutet „austauschbar“ in diesem Falle noch nicht, dass der Endnutzer die Lichtquelle selbst zuhause austauschen können muss: Wenn qualifiziertes Personal die Lichtquelle entnehmen kann, ohne die Leuchte dabei zu zerstören, ist der Richtlinie Genüge getan.


Das ist ein Anfang — aber noch kein Ende. Die politische Richtung ist eindeutig: Langfristig soll eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft geschaffen werden, was bedeutet, dass zukünftige Leuchtmittel auswechselbar und wiederverwertbar sein müssen. Parallel dazu treibt das Right-to-Repair-Gesetz die Debatte voran: Hersteller müssen Ersatzteile mindestens sieben Jahre lang vorhalten und Reparaturanleitungen frei zur Verfügung stellen.


Quellen: EU-Verordnung (EU) 2019/2020; Prediger Lichtberater; licht.de — FAQ zum Ökodesign; Handwerksblatt — EU zwingt Hersteller, Ersatzteile zu liefern.


Was zirkuläre Lichtplanung in der Praxis bedeutet

Sabine De Schutter vom Studio De Schutter in Berlin beschreibt einen Ansatz, der über das Gesetzliche weit hinausgeht: Bei neuen Projekten wird zunächst geprüft, welche Leuchten ein Kunde bereits hat. Was lässt sich wiederverwenden? Was lässt sich umrüsten? Was kann an Hersteller zurückgegeben oder an andere Nutzer weitervermittelt werden?


Das klingt nach Pragmatismus. Es ist aber auch eine gestalterische Haltung: Die beste neue Leuchte ist die, die nicht produziert werden muss.


Produkte wählen, die reparierbar sind. Nicht jede Leuchte, die heute auf dem Markt ist, entspricht dem Geist der neuen Anforderungen. Gute Lichtplanung fragt: Wie kommt man in zehn Jahren an das Ersatzteil? Gibt es es noch? Wer baut es ein?


Systeme denken, nicht Leuchten. Eine Leuchte ist keine Einheit, sie ist ein System aus Gehäuse, Optik, Lichtquelle und Treiber. Diese Komponenten haben unterschiedliche Lebensdauern. Wer Leuchten plant, muss fragen: Was passiert, wenn in sieben Jahren der Treiber stirbt?


Bestand ernst nehmen. De Schutter berichtet von einem Büro in Düsseldorf, in dem bestehende Leuchten mit einem LED-Refit und neuer Steuerungstechnik versehen wurden. Das ist keine Nachrangigkeit — das ist kreative Nutzung vorhandener Ressourcen.


Greenwashing erkennen. „Greenwashing entsteht dort, wo nur über Energieeffizienz gesprochen wird und nicht über den Lebenszyklus eines Produkts.“ Eine Leuchte, die 30 Prozent weniger Strom verbraucht, aber nach fünf Jahren auf der Deponie landet, ist nicht nachhaltig.


Was wir als Lichtplaner fordern — und was bereits existiert

Ich kenne bisher nur einen Hersteller, der dieses Prinzip konsequent und für jeden Endnutzer umgesetzt hat: 100percentlight aus Belgien. Mit dem TwistLock-System, entwickelt für die Expression-Serie des Architekten Glenn Sestig, lässt sich die gesamte LED-Engine inklusive Optik durch eine einzige Drehbewegung austauschen. Kein Werkzeug. Kein Fachmann. Keine Demontage der Leuchte. Das Gehäuse bleibt an der Decke — nur das, was sich verändert hat oder verändert werden soll, wird entnommen und ersetzt.


Der entscheidende Unterschied zu einer einfachen Glühbirne: Man tauscht nicht nur das verschlissene Modul. Man kann auch die Optik wechseln — neue Lichtverteilung, andere Farbtemperatur, angepasst an eine veränderte Raumnutzung. Die Leuchte bleibt, aber das Licht kann sich entwickeln. Das ist Zirkularität, die über bloße Reparierbarkeit hinausgeht.


Meine Forderung als Lichtplaner: Das sollte kein Alleinstellungsmerkmal eines einzelnen Herstellers sein. Es sollte Standard sein. Die Technologie existiert. Was fehlt, ist die Pflicht.


Werbung ohne Gegenleistung: 100percentlight wird hier als fachliches Beispiel genannt. Es besteht keine bezahlte Kooperation.


Was das für Auftraggeber bedeutet

Wer heute einen Neubau oder eine Sanierung plant, trifft Entscheidungen, die 15 bis 20 Jahre Bestand haben sollen. In diesem Zeitraum werden sich die Anforderungen an Reparierbarkeit und Kreislaufwirtschaft weiter verschärfen.


Die Fragen, die jetzt gestellt werden müssen: Wie lange liefert der Hersteller Ersatzteile für diese Leuchte? Ist der Treiber zugänglich und austauschbar? Gibt es eine Reparaturanleitung? Und: Was passiert mit der Leuchte, wenn sie ausgetauscht wird — wird sie entsorgt, oder kann sie weiterverwendet werden?


Das sind keine romantischen Fragen. Sie sind ökonomisch relevant: Eine Leuchte, die in zehn Jahren nicht repariert werden kann, weil es kein Ersatzteil mehr gibt, muss vollständig ersetzt werden. Das kostet mehr als eine Leuchte, die planbar gewartet werden kann.


Nachhaltigkeit beginnt bei der Leuchtenauswahl — aber früher

Es gibt eine Parallele zu dem, was ich bei der Lichtplanung im Büro oder im Wohnungsbau immer wieder erlebe: Die wichtigsten Entscheidungen werden früh getroffen oder gar nicht gestellt. Wer die Frage nach der Zirkularität erst stellt, wenn die Leuchte bereits bestellt ist, hat die Antwort zu spät gesucht.


Nachhaltigkeit in der Beleuchtung bedeutet nicht, die energieeffizienteste Leuchte zu kaufen. Es bedeutet, die Leuchte zu kaufen, die in 15 Jahren noch funktioniert, reparierbar ist, und deren Komponenten nicht auf der Deponie enden.


Leuchten sind nicht Licht. Aber sie sind auch nicht Wegwerfprodukte.


Nachtrag — September 2026

Die Diskussion unter diesem Artikel auf LinkedIn hat gezeigt, dass es weitere Hersteller gibt, die in diese Richtung arbeiten — darunter Moltoluce mit der X-Change Technologie, die ebenfalls einen endnutzertauglichen Modulwechsel ermöglicht. Das bestätigt den Kern des Artikels: Die Technologie existiert, und sie setzt sich durch. Was weiterhin fehlt, ist die gesetzliche Pflicht, sie zum Standard zu machen.


Quellen: Studio De Schutter / Sabine De Schutter, Interview in: „Produkte. In ihren Geschichten“ (Magazin). EU-Verordnung (EU) 2019/2020. Prediger Lichtberater. licht.de — FAQ zum Ökodesign. Handwerksblatt — EU zwingt Hersteller, Ersatzteile zu liefern. German LED Tech. 100percentlight — TwistLock / Expression Series (100percentlight.com). Moltoluce — X-Change Technologie (moltoluce.com).


Werbung ohne Gegenleistung: Dieser Artikel nennt Studio De Schutter, 100percentlight und Moltoluce als fachliche Referenzen. Es bestehen keine bezahlten Kooperationen.

 
 

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